Magisches Netz
(Goethe)
Sind es Kämpfe, die ich sehe?Sind es Spiele? sind es Wunder?Fünf der allerliebsten KnabenGegen fünf Geschwister streitend,Regelmäßig, taktbeständig,Einer Zaub'rin zu Gebote.
Blanke Spieße führen jene,Diese flechten schnelle Fäden,Daß man glaubt, in ihren SchlingenWerde sich das Eisen fangen.Bald gefangen sind die Spieße;Doch im leichten KriegestanzeStiehlt sich einer nach dem andernAus der zarten Schleifenreihe,Die sogleich den freien haschet,Wenn sie den gebundnen löset.
So mit Ringen, Streiten, Siegen,Wechselflucht und WiederkehrenWird ein künstlich Netz geflochten,Himmelsflocken gleich an Weiße,Die vom Lichten in das DichteMusterhafte Streifen ziehen,Wie es Farben kaum vermöchten.
Wer empfängt nun der GewänderAllerwünschtes? Wen begünstigtUnsre vielgeliebte HerrinAls den anerkannten Diener?Mich beglückt des holden LosesTreu und still ersehntes Zeichen!Und ich fühle mich umschlungen,Ihrer Dienerschaft gewidmet.
Doch indem ich so behaglich,Aufgeschmückt stolzierend wandle,Sieh! da knüpfen jene Losen,Ohne Streit, geheim geschäftig,Andre Netze, fein und feiner,Dämmrungsfäden, Mondenblicke,Nachtviolenduft verwebend.
Eh' wir nur das Netz bemerken,Ist ein Glücklicher gefangen,Den wir andern, den wir alle,Segnend und beneidend, grüßen.
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