Montag, 5. Oktober 2009

Ja, es ist wirklich eine Freude Vater zu sein!

Jeder, der ein Schulkind zu Hause hat, weiß wie schwer es ist den kleinen Sonnenschein morgens aus dem Bett zu bekommen, ihn zum Anziehen & Frühstücken zu bewegen und schließlich auf den Schulweg zu bugsieren. Wer das nicht glaubt kann diesem Drama bei uns Montags bis Freitags beiwohnen. (Aber bitte vorher anmelden.)

Aber es geht auch anders. - Nämlich dann, wenn etwas wirklich Wichtiges ansteht. - Angeln zum Beispiel.

Also: Es ist Samstag, der 3. Oktober, 5:30Uhr. Ganz Deutschland schläft noch. - Immerhin ist ja Feiertag. Nur Junior ist schon seit einer Stunde wach und bewacht den Wecker...

Endlich das ersehnte Klingeln. Schneller als ein Feuerwehrmann beim Großbrand ist Joshi aus dem Bett, hat sich das Gesicht und die Zähne abgetupft, und steht mit einer Tasse lauwarmen Kaffee neben meinem Bett:

"Papa aufstehen, wir wollen heute doch Angeln. - Du hast es mir versprochen!"

Hab ich das wirklich? - Aber diesen Gedanken zu Ende zu denken gelingt mir schon nicht mehr, weil nun auch von der anderen Seite ein fast schon freundliches "steh jetzt endlich auf und lass' mich noch etwas schlafen" in mein Ohr gebrummt wird.

Ja, es ist wirklich eine Freude Vater zu sein. - Also raus aus dem Bett und mit dem mittlerweile kalten Kaffee flott wach werden. Das Ganze wird noch beschleunigt von Sohnemanns Lieblingsvortrag, darüber wie man todsicher den größten Fisch aus dem See ziehen kann.

Immerhin scheine ich mich irgendwie angezogen und mit meinem, noch immer über Köderkunde schwadronierenden, Jungangler zum See gefahren zu sein. Mein Erinnerungsvermögen setzt jedenfalls pünktlich um sieben Uhr zur Ziehung der Lottozahlen Angelplätze wieder ein.

Gegen halb Acht sind die Formalitäten erledigt und die Zukunft des ASV-Trebur erreicht gut gelaunt Steg Nummer 44. Kurz darauf treffe auch ich, bepackt mit gefühlten zwei Tonnen Angelzubehör, bei besagter Holzkonstruktion ein.

Da 8-jährige Kinder (auch solche mit Jahrzehnte langer Erfahrung) nicht alleine angeln dürfen, ist auch noch ein geübter Angler mit von der Partie.

 Nun gilt es nur noch das Jagdgerät einsatzbereit zu machen. Dies stellt sich allerdings schnell als ein herber Rückschlag für meinen "Waller-Knaller" heraus:

Die von ihm fachmännisch montierte Rolle hat kaum noch Schnur, die Pose eignet sich nicht für Forellen (auf die heute übrigens geangelt wird). Die vorwurfsvollen Blicke des erfahrenen Profis werden allerdings nicht meinem Kleinen, sondern mir zugeworfen.
(Ich hatte, glaube ich, schon erwähnt welche Freude es ist Vater zu sein)

Na ja, in einer gemeinsamen Kraftanstrengung und unter den desinteressierten Blicken meines Stammhalters, gelingt es schließlich den beiden Michaels (unser Angler heißt genau wie ich) alles doch noch rechtzeitig einsatzbereit zu haben.

Punkt Acht Uhr schallt dann ein markerschütterndes "ANFAGEN" über den See und die Show beginnt!


Was nun folgt ist schwer in Worte zu fassen: 53 mit Posen, Haken, Blei und Maden beschwerte Angelschnüre schlagen nahezu zeitgleich auf der Wasseroberfläche auf.

Um genau zu sein eigentlich nur 52. - Joshi's Montage hängt, nachdem sie knapp an meinem Ohr vorbei gesaust ist, gut vier Meter in den Bäumen über mir und bietet seinen Maden einen einmaligen Blick über den Oberwiesensee.

Begleitet von einem aufmunternden "Papa was stehst Du mir auch in der Wurflinie herum" und unter den amüsierten Blicken des anderen Michaels, darf ich mich nun darum bemühen diese glitschigen Tierchen aus Ihrer misslichen Lage zu erlösen.

Nachdem ich schließlich den Köder befreit und mich weisungsgemäß in meinem Erdloch verkrümelt habe, gelingt es unserem Star-Angler schließlich auch seine Würmer in ihr Seemannsgrab zu befördern.

Nun ist erst einmal Warten angesagt. - Immerhin müssen sich die Fische erst einmal von dem, durch das Trommelfeuer aufschlagender Köder verursachten Schock erholen, bevor sich wenigstens die Dümmsten von ihnen wieder ans Fressen trauen.

Genügend Zeit für begleitende Väter, sich über die Widrigkeiten der Wetters bewusst zu werden. - Okay, es ist trocken und der Wetterbericht hat für den Nachmittag schönes Spätherbstwetter vorhergesagt. Aber noch ist es nicht Nachmittag. Nach meiner inneren Uhr ist noch nicht einmal Vormittag, sondern irgendwie nur KALT!

Genau da wo wir stehen scheint sich ohnehin gerade der Kältepol des Rieds zu befinden und ich beginne mich gerade zu fragen wie sich wohl Erfrierungen 1. Grades anfühlen, als es mein Naturbursche auch zu frieren beginnt:

"Du, Papa mir ist kalt! - Ich glaube Du hast mich nicht warm genug angezogen. Kann ich deine Jacke haben?"


Strafende Blicke der anderen Angler bohren sich in meinen Rücken und lassen mich noch mehr frösteln als ohnehin schon. - Dass Junior, obwohl bestens nach allen Regeln isoliert, sofort friert wenn seine Nasenspitze den kleinsten Zug abkriegt, glaubt mir jetzt sowieso keiner mehr...

Also: Zähne zusammenbeißen und auch noch das letzte Bollwerk gegen die Kälte an den zukünftigen Rentenzahler abgeben.
(Hatte ich schon erwähnt, dass es eine Freude ist Vater zu sein?)

Ca. fünf Minuten später ist es meinem Liebling jedenfalls wieder mollig warm und mir gelingt es gerade noch, mit klammen Fingern, meine achtlos auf den Steg geworfene Jacke am baden gehen zu hindern.

"Biss! - Papa geh' mir aus dem Weg! - Ich hab Einen!"

Ich weiß nicht wer ungläubiger drein geschaut hat:
Ich, weil ich mit vielem gerechnet habe. - Aber nicht damit, dass sich so ein blöder Fisch ausgerechnet an Junior's Köder verirrt.
Oder der andere Michael, weil ich wie angewurzelt da stehe, statt ihm sofort den, von Joshi gut im nächsten Gebüsch versteckten, Käscher zum abseihen des sich heftig wehrenden Fisches zu reichen...

Meine Agonie war zum Glück schnell genug vorbei um mich gerade noch rechtzeitig zu unter den Steg retten zu können, als der Angler von der Nachtbarparzelle mit dem Worten "Nehmt den", seinen Käscher wie einen Speer in unsere Richtung schleuderte.


"Pfuhh, das ging ja gerade noch mal gut! - Papa, wenn wir angeln musst Du schon etwas besser aufpassen! - Beinahe hätte ich, nur wegen Dir, meinen Fisch verloren!"
(Allgemeines, zustimmendes Nicken der Umstehenden. - Hatte ich schon erwähnt...)

Wie das Tierchen, sehr plötzlich und überhaupt nicht unerwartet, zu Tode kam, kann ich nicht sagen. Jedenfalls war alles schon erledigt als ich unter dem Steg wieder hervor gekrochen kam.

"Wahh, was für ein riesen Teil! - Damit werde ich sicher Erster! - Nicht wahr? - Papa Den musst Du unbedingt fotografieren!"

Natürlich kamen gleich alle Freunde zum Bewundern....
"Mein Opa hat schon mal so einen Fisch gefangen!"

"Zeig mal deinen Fisch! - Hat dein Papa auch schon was gefangen?"
- Nein, liebes Kind, ICH begleite hier nur meinen Sohn. ICH angle nicht, weil ICH mag keine Fische. -
(Zugegeben, das das habe ich nicht gesagt, sondern nur gedacht...)


Jetzt kommt natürlich der Moment, wo auch Väter Stolz sein müssen: Der Nachwuchs posiert mit seinem kapitalen Fang vor der Kamera...


...und jetzt kommt der Moment wo ich rückwärts essen gehe: Der Fisch muss ausgenommen werden. - So richtig, mit aufschneiden, Eingeweide rauspopeln, Auswaschen und Abschuppen (Oma wird das Tier übrigens später braten). Ich werde dem anderen Michael ewig dankbar sein, dass er (bis ich vom -Ihr wisst schon was- zurück war) den Job erledigt hatte.

Und für all die Mühe, gab es dann sogar noch einen (den 10.) Preis. - Äh, für Joshi - nicht für mich...


P.s.: Ich schwöre, dass diese Geschichte fast die reine Wahrheit wiedergibt,  ich kaum etwas hinzugedichtet und nur wenig übertrieben habe...

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